Wir trauern um unser Ehrenmitglied und unseren Segelkameraden Jörg Spengler.  Er verstarb unerwartet am 26. November 2013 im Alter von 74 Jahren.

 

Wir verlieren mit Ihm nicht nur einen unserer erfolgreichsten Segler, wir verlieren auch ein bis zuletzt engagiertes Mitglied. Sein fachlicher Rat, sein Ideenreichtum, den er uns als erfolgreicher Architekt bei der Bauplanung für die Erneuerung unseres Clubhauses am Dutzendteich in selbstlosem Engagement zur Verfügung gestellt hat, werden wir vermissen.

 

Darüber hinaus war er immer bereit, auch sein Regattawissen an unsere jungen Segler weiterzugeben. „Wissen um die Kraft der Begeisterung“ war ein Satz, mit dem er weitergab, was nötig ist, um erfolgreich zu segeln. Für ihn war das Regattasegeln eine Sache mit Herz und Teamgeist. Einer seiner Leitsätze: „Leben ohne Begeisterung bringt keinen Erfolg.“In diesem Sinne werden wir Jörg Spengler immer in guter Erinnerung in unseren Herzen tragen.
 
Norbert Woop
Präsident Yacht-Club Noris e.V. Nürnberg

 

 

 

1970 Europameister, im Jahre 1975 gemeinsam mit Jörg Schmall Weltmeister. Bei den im Folgejahr stattfindenden Olympischen Spielen holte Jörg Spengler eine Bronzemedaille. 1977, dieses Mal mit Rolf Dullenkopf, gewann er erneut die Tornado – Weltmeisterschaft.

 

 

 

Ein Herz zum Segeln

Interview mit Jörg Spengler, von Günther Schlegel, 2009

 

Was bedeutet Segeln für Sie?

Segeln bedeutet für mich Schulung der Intuition und das Lernen von Genauigkeit. Man muss vor einer Meisterschaft sein Schiff so in Schuss bringen – mit all seinem Wissen und Schweiß, dass es kein Besseres mehr gibt. Und während der Meisterschaft muss man so viel Begeisterung mitbringen, dass es keine Gegner gibt, sondern, dass man nur aus Freude und Spaß segelt. Kampf und Rivalität darf man nicht kennen.

 

Was ist nach 45 Jahren Segeln geblieben?

Wissen um die Kraft der Begeisterung. Ein Beispiel ist eine Mutter, die ungeahnte Kräfte entwickelt, wenn ihr Kind in Not gerät und sie helfen will – hier ist das Kind mein Segelschiff.

Vor Jahren haben sich die zwei Jörgs zusammengetan. Jörg Schmall und Jörg Spengler, der Starkwindsegler und der Flautenschieber. Da hatten die  anderen keine Chance mehr. Zusammengeschweißt haben uns Eis und Schnee wie im Januar beim Training in Kiel. Wie unser damaliges Vorbild Paul Elvström, der mit seiner Tochter mit 59 Jahren noch Europameister wurde und oft ganz alleine bei jedem Wetter trainiert hat. Das war eine tolle Zeit, aus der eine echte Freundschaft entstanden ist, die bis heute hält.

 

Wie sind Sie zum Segeln gekommen?

Meine Eltern haben mir mit 18 Jahren zum Abitur einen 14-tägigen Segelkurs am Schliersee geschenkt. Dort haben wir mit 20er Rennjollen trainiert. Das Training endete mit einer Abschlussregatta, an der es richtig gekachelt hat. Vier Wochen lang hatte ich blutige Striemen am Rücken, denn an Bord war keine einzige Klemme vorhanden und anders waren die Schoten einfach nicht zu halten: Mit der Delphin auf Platz zwei, dieses Erlebnis hat mich begeistert und mein Segellehrer hat mir bestätigt: „Aus dir wird mal ein guter Segler.“

Danach musste ich erst mal möglichst schnell studieren um meine Frau heiraten zu können. Mit 23,5 Jahren war ich dann fertig. Meine Frau und ich haben uns dann immer einen Jollenkreuzer am Chiemsee ausgeliehen bis wir uns auf der Hanseboot eine Shearewater (dt. Spritzwasser) gekauft haben. Das ist ein schnelles Zweirumpfboot, das seinem Namen alle Ehre macht.

Zweirumpfregatta am Chiemsee: Wir hatten das Zweirumpfboot mit den kleinsten Segeln und waren demnach eigentlich chancenlos. Aber da es richtig gepfiffen hat und die Großen ihre enorme Segelfläche nicht richtig zum Einsatz bringen konnten, erreichten wir schließlich Platz Zwei.

 

Hier habe ich auch Ekkehart von Selzam kennen gelernt, einen echten Draufgänger. Wir fuhren bei ähnlichen Windverhältnissen auf die Europameisterschaft und wurden trotz einer Disqualifizierung fünfter.

 

 

Was muss man als Segler noch mitbringen außer Herz?

Ich war ein echter Tüftler. Jedes Jahr hatte ich neue Ideen was man noch besser machen könnte. Ständig bastelten wir an unserem Boot, tauschten Teile aus oder manchmal auch das Schiff mit den vielen neuen Verbesserungen. 1969 starteten wir das erste Mal im Tornado. Bei der Weltmeisterschaft in Travemünde, die ich mit meiner Frau zusammen fuhr, lief so ziemlich alles schief: Das Schiff war völlig kaputt, selbst das Trapez war gerissen und meine Vorschoterin verschwand im Wellental und ging über Bord. Das ist ein Gefühl als ob ein Schiff absäuft – man fühlt sich wie ein kleiner Frosch. Außerdem waren die Rümpfe krumm. Deshalb ging ich zu Reg Wight, dem Bootsbauer, zweimaligen Weltmeister und Goldmedaillengewinner, der mir das Schiff verkauft hatte. Er hatte sich das Schiff angesehen und mir unkommentiert sein Schiff gegeben, auf dem er Weltmeister geworden war.

 

Jörg Spengler beim 29er Training am Brombachsee 2008
Kurz nach diesem Training werden Jens Thoma und Simon Woop Deutscher Jugendmeister

Wie ging es dann weiter?

Mit diesem Schiff wurde ich dann bei der WM in Melbourne mit Ekkehart vierter. Kaum heimgekommen hörte ich, dass der später so genannte Bootsschnitzer vom Ammersee Tornados herstellen wollte. Ich musste sofort einen haben. Herbert Glas baute mir ein einzigartiges Schiff, absolut am Toleranzlimit. Es tauchte zwar auf Vorwind ein aber dafür messerte es auf der Kreuz durch die Wellen. Mit diesem wunderschönen Holzboot gewann ich mit Ekkehart in einer sehr windigen Woche (erste Wettfahrt Windstärke neun) die Europameisterschaft in Kopenhagen trotz einer Disqualifizierung. Daraufhin gefiel mir die Bucht so gut, dass ich fünf Jahre später eine WM an gleicher Stelle gewann. Es war ein tolles Gefühl!

 

Was war Ihre schönste Regatta?

Als ich den Wanderpreis, die große silberne Schale von Gollenshausen, zum dritten Mal mit meiner Frau gewonnen habe. Am Abend vorher war mir so richtig übel. Das bekam der Fährmann vom Chiemsee, der 2,05 Meter große Konrad Heistracher, mit. Er schleppte mich zur Bar und gab mir meine „Medizin“, den Chiemsee Halbbitter. Und als guter Mediziner musste er natürlich seine Medikamente auch selber probieren. Nach dem zehnten Glas habe ich aufgehört zu zählen. Heimgebracht wurden wir von ihm mit der großen Fähre. Am nächsten Tag: Flaute – Binsenwind.
Ich ließ mich Raumschots von ihm mitziehen. Andere Regattateilnehmer witzelten: „Dem ist schon wieder schlecht und sucht sich ein Örtchen.“ Irgendwann löste ich mich von diesem Windstrich und gewann damit auch die dritte Wettfahrt – und das mit meiner Frau, das war das Schönste.

 

Was war Ihr spektakulärstes Ereignis?

Wenn man an das scheinbar Unmögliche glaubt, passiert manchmal „merkwürdiges“. Mein Schiff war super hergerichtet, alles überprüft und wir fuhren zum Start der Deutschen Meisterschaft. Startschuss und der Großschotblock riss aus der Verankerung. Mein Schotte Gerhart Heinimann sagte zu mir, „wenn du jetzt aufhörst, schwimm ich heim.“ Nach 5 Minuten hatten wir den Schaden repariert, das Feld war auf und davon. Es war sehr neblig. Wir fuhren viele kleine Schläge und waren an der Luvtonne Erster. Das Feld hatte bei schlechter Sicht die Tonne überfahren und kam erst jetzt mit uns an.

 

 

Jörg Spengler beim 50-Jahre-YCN-Empfang
Im Gespräch mit Bürgermeister Horst Förther

 

„Ein Herz zum Segeln“ – was bedeutet das?

Gebet, so wird euch gegeben.
Ich habe einmal einen Dänen und einen Schweizer geholfen, dass sie zu Olympia fahren konnten. Wären diese nicht dabei gewesen, hätte ich nie die Medallie gewinnen können.

Walter Steiner (Schweiz) habe ich mein Rigg geliehen, sonst hätte er nicht an der Qualifikation teilnehmen können. Es ging zwar auch am Schluss kaputt, aber er schaffte die Teilnahme nach Olympia.

Peter Due (Dänemark) verfuhr sich bei der Weltmeisterschaft in Kopenhagen komplett und hatte die Qualifikation damit verfehlt. Ich setzte mich für ihn ein und er bekam eine zweite Chance: Die erste Forderung war, dass ich ihm ein gleich gutes Schiff besorgen musste wie das Meinige. Dass war einfach, die Bestellung ging umgehend an Herbert Glas. Die zweite Forderung bestand darin, dass er in Kiel unter die besten drei fahren musste. Das schaffte er mit Bravur, er gewann.

Bei Olympia war ich so schlecht, dass ich schon depressiv wurde. Selbst der Puertoricaner, der später Letzter wurde, fuhr um mich Kreise und wir wussten nicht warum. Peter und Walter bauten mich auf und blieben die ganze Zeit an meiner Seite. Vier Satz Segel hatten wir dabei, von denen wir drei Sätze ausprobierten: Stundenlang die gleiche Prozedur und ich wurde nicht schneller. Schließlich entdeckte ich in der Kiste noch einen vergilbten Originalsatz von North, von Horst Nebel mit zahlreichen Korrekturnähten versehen, durch die die Sonne schien. Plötzlich war ich schnell. Bei gleichmäßigen Windverhältnissen machten wir drei die Spitzenplätze unter uns im Wechsel aus. Erst als Dreher anfingen, hatte ich als bayerischer Binnensegler leichte Vorteile und gewann die Bronze-Medaille. Ohne Walter Steiner und Peter Due wäre das nie möglich gewesen.

 

Ein kleines Schlusswort zur IDM 2009 am Brombachsee

Für die IDM wünsche ich allen viel Erfolg, genügend Wind, keine Proteste und Freude an der Freundschaft im Segelsport.

 

Vielen Dank Herr Spengler

 

 

 

Architekt Jörg Spengler bei der Vermessung des Grundstücks am Dutzendteich
Bei der weiteren Bauplanung für die Erneuerung unseres Clubhauses am Dutzendteich werden wir seinen selbstlosen Einsatz vermissen.