1. Jugendtörn 30. Mai - 6. Juni 2009

Crew: Thomas (Skipper), Rolf (Co), Magdalena, Daniela, Lukas R., Daniel, Nici, Lukas G.

Route: Heiligenhafen - Bagenkop - Nyborg - Dyvig - Sonderborg - Aerösköbing - Heiligenhafen

(302 sm)

 

 

 

von Rolf

 

Anfahrt

 

Gleich nach der Schule geht es am Freitag Nachmittag in zwei Autos Richtung Norden. Bis die "Jungs" mit dem Schlüssel für das Boot endlich ankommen, liegt der Rest der Crew im Schlafsack auf dem dunklen und kalten Deck. Dann das wichtigste Thema zu Beginn: Wie kann der iPod an das Bordradio angeschlossen werden? In unserer Verzweiflung hatten wir sogar kurz mit dem Gedanken gespielt die Bedienungsanleitung zu lesen. Aber irgendwann hat es dann doch geklappt. Jetzt blieb nur noch die Frage, welcher der mindestens 5 mp3-Player wird angeschlossen? - Alle, abwechselnd.

Das zweite wichtige Thema an diesem Abend ist die Shisha. Die Kojen sind noch nicht ganz fertig eingeräumt, da sieht man schon 6 Jugendliche, die sich mit einem kleinen silbernen Koffer auf den Weg machen. An einem schönen Plätzchen am Wasser wird dann aus dem Koffer eine kleine Shisha geholt und angezündet. Der Wind raucht kräftig mit und so ahnen die ersten wohl schon an diesem Abend, dass der Vorrat an Kohle und Tabak nicht für die ganze Woche reichen wird. In den folgenden Tagen sieht man Lukas und Daniel deshalb öfters still und heimlich mit dem Köfferchen verschwinden.

 

Samstag: Heiligenhafen - Bagenkop

 

Nach dem Frühstück muss erst einmal eingekauft werden. Man könnte es schon fast ein mutiges Experiment nennen: 5 junge Leute, eine noch komplett volle Bordkasse und ein Einkaufszettel fast ohne Mengenangaben. Nachdem die "kleine" Daniela es sich im Einkaufswagen bequem gemacht hat, stürmen wir den Supermarkt. Relativ unkontrolliert landen viele leckere Sachen im Einkaufswagen. Ich habe Mühe die entsprechenden Zeilen auf dem Einkaufszettel zu streichen. Nach ca. 15 Minuten sind die zwei Einkaufswägen in der Süßigkeiten-Abteilung angekommen ... und standen dort für mindestens 20 weitere Minuten. Trotz des einigermaßen chaotischem Einkauf haben wir fast alles im Lauf der Woche aufgegessen - auch die drei großen Gläser Nutella - und müssen später in Assens sogar noch etwas Nachschub besorgen. Vor allem Süßigkeiten.

Bei der anschließenden Brotzeit an Bord muss die Frage Nutella mit oder ohne Butter ausführlich diskutiert werden. Die Mehrheit findet Butter unter dem Nutella voll eklig, viel zu fettig und ungesund. Dafür wird das Nutella nur maximal 2 cm dick aufgetragen.

Eine ausführliche Sicherheitseinweisung stimmt alle langsam auf den noch bevorstehenden Segeltag ein. Bei schönem Wetter und 5-6 in Böhen 7 Windstärken aus NO geht es am frühen Nachmittag mit halbem Wind nach Bagenkop. Die 1-2 Meter hohen Wellen schaukeln das Schiff heftig hin und her. Daniels Magen ist mit der ungewohnten Situation etwas überfordert. Noch bevor wir angelegt haben, ist aber alles wieder in Ordnung und für den Rest der Woche geht die Nahrung bei allen nur noch gewohnte Wege.

Das Kochen klappt super, alle beteiligen sich. Mit dem Abspülen läuft es dafür etwas zäh. Nudeln mit Tomatensoße im Sonnenuntergang an Deck; wir können uns nicht beschweren.

 

 

Sonntag Bagenkop - Nyborg

 

Perfektes Segelwetter. Sonne, Sonne, Sonne und 3-6 Windstärken. Wir segeln an Marstal vorbei und nehmen dann Kurs auf Rudköbing. Im engen Fahrwasser kommt der Wind von vorne, also motoren wir etwa eine Stunde. Danach kreuzen wir weiter nach Norden. Ein Fischchen fängt unseren Blinker und wird danach von Nici und Lukas fachgerecht enthauptet. Bis wir Zeit für die Zubereitung haben, hat sich um den Fisch ein unangenehmer Geruch ausgebreitet und wir beschließen, dass keiner Appetit auf Fisch hat. Wir kreuzen und kreuzen. Die 55 Seemeilen am zweiten Tag sind lang, aber dafür wird während der Fahrt auch drei mal gegessen: erst Müsli, dann Schnittchen und Abends Nudeln. Die Sonne geht langsam unter und alle sind etwas platt. Aber das vorlesen von Spiegel-Artikeln aus dem Rotlichtviertel macht Laune.

Am Abend spielen einige Jugendliche mit einem einsamen Einkaufswagen und scheinen eine Menge Spaß dabei zu haben.

 

Montag Nyborg - Norden

 

Das Aufstehen fällt nicht allen leicht. Es hat sich herausgestellt, dass musikalischer Terror den Aufstehvorgang beschleunigt. Britney Spears "Stronger", in voller Lautstärke in der Dauerschleife bis alle aus ihren Schlafsäcken gekrochen sind. Die Nebenwirkung war ein schrecklicher Ohrwurm.

Bei Sonne und 2-3 Windstärken aus Norden fahren wir auf das große Loch in der Great-Belt-Bridge zu. Thomas meldet uns per Funk an und Lukas hat damit begonnen aus dem Buch "Nur 15 Sekunden" vorzulesen. Viele Schlafsäcke an Deck machen es gemütlich und warm. Am Nachmittag schläft der Wind langsam ein und wir motoren von Zeit zu Zeit ein kurzes Stück. Als wir kurz vor Sonnenuntergang am "Nordcap" sind, verlässt uns der Wind. Wir versuchen es noch mit dem Blister, müssen es ab er bald aufgeben. Da wir auch in Bogense erst bei Dunkelheit einlaufen würden, beschließen wir, die Nacht durch zu fahren. Um Fredericia erst bei Sonnenaufgang zu erreichen, treiben wir mit etwa 3 Knoten durch die Dunkelheit. Alle drei Stunden ist Wachwechsel. Die selbst ernannte "Party Peoplez Wache" verpennt wohl die meiste Zeit, während die andere Wache sich erfolgreich mit Süßigkeiten wach hält. Es wird abwechselnd motort und gesegelt, wobei das Kreuzen gegen den Strom bei wenig Wind etwas zäh ist. 2 Seemeilen in 3 Stunden ist nicht sehr viel.

 

Dienstag Norden - Dyvig

 

In der Früh passieren wir die Brücken bei Middelfahrt, sehen jede Menge Schweinswale und nehmen mit den jetzt einsetzenden 3 Windstärken und Blister die Fahrt nach Assens auf. Später setzen wir zusätzlich noch den Spi; sieht komisch aus, fährt aber. Teile der "Party Peoplez Wache" schlafen immer noch und verpassen deshalb diesen Anblick. Ein "Einkaufszettel" wird geschrieben. Wer hat die schönste Linkshänderschrift? - Keiner.

Hotdog und Großeinkauf in Assens und schon geht es weiter. Der Wind hat weiter zugenommen und erschwert das Ablegen. Außerdem bleibt die Vorleine am Steg hängen, woraufhin uns ein Passant hilft.

Bei weiter zunehmendem Wind geht es mit 8,5 Knoten Richtung Dyvig. Thomas rettet meine Mütze, die mir beim Segelbergen vom Kopf geweht wird, dann geht es durch die enge Einfahrt nach Dyvig.

Nach 120 Seemeilen in zwei Tagen mit nur zwei Stunden im Hafen haben wir uns viel Schlaf und ein leckeres Abendessen verdient. Nur das Kartoffelschälen auf dem Kartentisch gibt etwas Ärger.

 

 

Mittwoch Dyvig - Sonderborg

 

Erst am frühen Nachmittag verlassen wir Dyvig und segeln in 3 Stunden bei böigen 2-5 Windstärken nach Sonderborg. Wir müssen kaum warten bis sich die Klappbrücke öffnet und legen im Stadthafen vor dem Schloss an. Weil aber ein großer holländischer Zweimaster unseren Liegeplatz braucht, gehen wir beim Nachbarn ins Päckchen.

Thomas lädt uns alle zum Pizzaessen ein und wir schauen uns ein bisschen die Stadt an. Crewfotos werden gemacht, es wird mit großen Kanonen geballert und auf Bäume geklettert. Später gibt es noch eine große Portion Softeis für jeden.

Im Großen und Ganzen also ein recht entspannter Tag. Das war auch gut so, weil der nächste Tag um so spannender werden sollte.

 

Donnerstag Sonderborg - Aerösköbing

 

Das Wetter ist nicht mehr ganz so schön wie die letzten Tage. Dunkle Wolken ziehen ziemlich schnell vorbei; außerdem werden Schauerböen gemeldet. Nach der Ausfahrt von Sonderborg verfolgt uns eine Wetterfront mit kräftigem Wind und viel Regen. Wir können dem stärksten Regen nach Norden ausweichen, da wir Ärö rechts herum Richtung Marstal runden wollen. Dann kommt ein weiterer Regenschauer, der uns ziemlich nass macht, aber uns auch nach kurzer Zeit den Wind weg nimmt. Wir motoren um die NW Spitze von Ärö und setzen kurz später bei sanft einsetzendem Wind und schon fast blauem Himmel den Blister. In weniger als 15 Minuten frischt der Wind von 3 auf 6 Windstärken auf. Der Blister muss schleunigst geborgen werden, aber für den Bergeschlauch ist es schon zu viel Wind. Das Gewicht von drei Leuten reicht nicht aus um den Schlauch über den Blister zu ziehen. Deshalb lassen wir das Fall ab um den Blister nach vorne einzuholen. Die Schot zieht sich trotz Achterknoten durch den Holepunkt und landet im Wasser. Die Motorschraube, die uns eigentlich für die Zeit des Bergemanövers auf Kurs halten soll, fängt sich die Schot. Der Motor wird abgewürgt.

Um Zeit zu gewinnen binden wir das 3. Reff ein und packen alle anderen Segel weg. Vor dem Wind steuern wir jetzt auf Aerösköbing zu. Wir versuchen den Hafenmeister zu sprechen; per Telefon, per Funk. - Nichts, erst ab 17.00 Uhr wieder erreichbar. Dann kommt die Segelyacht "Baltic Sun" in unsere Nähe und Thomas nimmt Funkkontakt mit der Besatzung auf. Sie fahren vor uns in den Stadthafen und warten mit einem Fender auf uns.

Das letzte Stück von der Ansteuerungstonne in den Hafen ist etwas spitzer als halber Wind. Bei mittlerweile 6-7 Windstärken können wir - nur mit dem 3. Reff - nicht genug Höhe laufen. Schnellstens muss die Sturmfock ausgegraben und angeschlagen werden. Bis die Fock greift, sind wir so weit abgetrieben, dass wir die roten Tonnen noch außerhalb in Lee runden müssen. Das Echolot zeigt kurz 0,0 m, dann geht es Richtung Hafeneinfahrt. In der Hafeneinfahrt nehmen wir die Fock runter und steuern auf die Crew der "Baltic Sun" zu. Mit ganz geringer Fahrt fahren wir gegen den Wind an der Hafenmauer entlang. Leinen übergeben und wir werden sanft abgebremst. Festmachen. Alles gut!

Daniel hat schon so lange darauf gewartet, jetzt endlich wird das Schlauchboot aufgepumpt. Mit Taucherbrille und Bootshaken versuchen wir erst vom Schlauchboot aus die Schraube von der Schot zu befreien. Später muss ich dann doch einige Male unter das Boot tauchen. Das Wasser war zwar nicht ganz warm, aber es hat sich gelohnt: Nach kurzer Zeit ist die Schraube wieder frei und der Motor komplett funktionsfähig.

Ein Schlauchbootausflug im Hafen, ein leckeres Abendessen und ein Spaziergang zu den kleinen Hütten bei Sonnenuntergang runden den Abend ab.

 

 

 

Freitag Aerösköbing - Heiligenhafen

 

Bei 5-6 Windstärken und ordentlicher Welle wird es beim Segelsetzen etwas nass. Dann geht es zügig durch das Fahrwasser bis Marstal. Das letzte Stück ist hoch am Wind und wir schaffen es gerade so ohne Motor. Von da an wird der Wind immer schwächer und wir schaukeln Richtung Heimathafen. Wir wollen unbedingt 300 Seemeilen schaffen und bauen deshalb noch einen kleinen Umweg ein.

Als kurz vor dem Hafen alle Süßigkeiten aufgegessen sind, erklärt uns Daniela, dass sie in dieser Woche eigentlich etwas weniger naschen wollte. Wir berechnen einen Süßigkeiten pro Minute Index für die vergangene Woche und begnügen uns mit Nutella Brötchen die uns Thomas zubereitet. Ups. Daniela hat Nutella an der Nase. Sorry, war keine Absicht.

Kurz vor dem Hafen schläft der Wind ein und wir laufen unter Motor ein. Tanken, kochen, putzen, duschen.

Dann wird noch ein kurzes Video über die Benutzung der Bordtoilette gedreht, bevor es ein letztes Mal die Gutenachtgeschichte von Daniela gibt. Wichtige Fragen wie "Was ist eine Wiese?", "Wie kommen die Flecken auf den Mond?" und "Warum ist Nutella braun?" werden von den zwei Schweinen Piggeldy und Frederick erklärt und danach schlafen alle Kinder tief und fest .

 

Heimfahrt

 

Die Abreise und Heimfahrt war eher unspektakulär. Viele Fotos wurden gemacht, auch zusammen mit der Crew für den 2. Jugendtörn und der Himmel musste weinen, weil wir schon abreisten.

 

 

Fazit: Geil!