Jugendtörn 1. Pfingstwoche 2010

Crew: Rolf (Skipper), Günther (Co-Skipper), Sabine, Eva, Susanne, Fabian, Adrian und Richard

Route: Heiligenhafen - Heiligenhafen - Sønderborg - Middelfahrt - Kerteminde - Bagenkop - Heiligenhafen (306 sm)

 

 

Jugendtörn 1 - 2010

 

Samstag Heiligenhafen - Heiligenhafen

 

Die Anreise mit zwei Autos verlief staulos und unproblematisch. Am Schiff angekommen, fiel zuerst der fehlende Bugkorb auf. Aber nach ein paar Telefonaten war alles geklärt und nur wenige Stunden später kam der Bugkorb aus der Reparatur zurück. Einkaufen, gründliche Einweisung und diverse Arbeiten am Schiff, wie das Montieren der Wantenschoner oder das Setzen des Vereinswimpels, nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass es schon zu spät war, um noch eine weitere Strecke zu segeln. Wir entschieden deshalb die abendlichen 3 Windstärken für eine Übungsfahrt vor dem Hafen zu nutzen, wo jeder ein Boje-über-Bord-Manöver steuern durfte.

 

Sonntag Heiligenhafen - Heiligenhafen

 

Geplant war ein Schlag gegen den Wind nach NW um spätestens am zweiten Tag in Sonderborg – dem westlichsten Punkt unserer Fünen-Rundfahrt – anzukommen. Als die etwa 4 Windstärken etwas zunahmen, refften wir das Großsegel. Schon beim Segelsetzen hatten wir bemerkt, dass die Mastrutscher etwas schwer in der Mastschiene liefen. Beim Ausreffen blieb dann der vierte Rutscher von oben hängen und riss aus dem Segel. Obwohl wir schon fast in Bagenkop waren, drehten wir um und fuhren – nur mit der G1 – zurück nach Heiligenhafen. Denn wir befürchteten in Dänemark über die Pfingstfeiertage keinen Segelmacher zu finden. Außerdem hatten wir einen Segelsack mit der Aufschrift A2 im Auto deponiert und gingen davon aus, dass es sich um das Ersatzgroßsegel handelte. Leider stellte sich heraus, dass wir uns getäuscht hatten. In dem Sack war die G4, die uns aber in den folgenden Tagen noch oft weiterhelfen sollte. Um jetzt nicht bis zum Ende der Feiertage in Heiligenhafen festzusitzen, versuchten wir alles um den Segelmacher Oleu zu erreichen. Und nach einigen Telefonaten kam tatsächlich ein Segelmacher extra von einer Grillparty vorbei. Dreißig Minuten später war der Schaden schon behoben. Bevor wir das Segel wieder angeschlagen haben, wurde ich noch den Mast hochgezogen, um die Schiene einzusprühen. Von da an ging das Segel fast wie von selber rauf und runter. Leider war es nun aber schon wieder zu spät, um noch in einen anderen Hafen zu kommen. Deshalb beschlossen wir am Montag sehr früh auszulaufen.

 

Montag Heiligenhafen - Sonderborg

 

Noch vor dem Frühstück ging es um kurz nach 6 Uhr aufs Wasser. Bei 5 Windstärken von vorne mit der neuen F1 und dem zweiten Reff hatten fast alle Spaß. Im Laufe des Tages ging dann dummerweise eine der Kotzschüsseln während des Ausleerens über Bord. Aber zum Glück haben die normalen Nahrungswege nach diesem Tag bei allen wieder funktioniert.

Zwischendurch ließ der Wind etwas nach, sodass wir die G4 rausholen konnten und am frühen Nachmittag sogar teilweise motoren mussten. Erst am frühen Abend, als der Leuchtturm Kalkgrund langsam in Sicht kam, begann der Wind wieder aufzufrischen und der bis dahin trübe Himmel riss auf. Wir refften zum ersten Mal die G4 und waren positiv überrascht, wie schön das funktionierte.

Durch die verhältnismäßig hohen Wellen war es schwer gute Höhe zu laufen, weshalb wir gegen 20 Uhr beschlossen es mit dem Motor zu versuchen. Ohne Segel gegen die Wellen hatte der Motor jedoch keine Chance. Wir konnten maximal 1,5 Knoten über Grund erreichen, also setzen wir wieder das Groß und kreuzten mit Motorunterstützung weiter. Trotzdem wurde es eine zähe Sache und alle waren froh, als wir gegen 23 Uhr endlich in Sonderborg einliefen. In der Dämmerung fanden wir im Stadthafen einen Platz und legten uns ins Päckchen.

 

Dienstag Sonderborg - Middelfart

 

An diesem Morgen ließen wir uns mit dem Frühstück mehr Zeit und warteten noch etwas, bis sich die Brücke öffnete. In der ersten Stunde motorten wir im engen Fahrwasser gegen den Wind, bis wir in den Als Fjord kamen. Dort setzten wir bei 6-7 Windstärken aus NW die Segel und begannen zu kreuzen. Alle 10 Minuten sind wir gewendet, sodass es immer etwas zu tun gab. Bei den nicht ganz so hohen Wellen haben uns auch die 8er Böhen nicht weiter gestört und wir kamen recht zügig voran. Am Ende des Fjords konnten wir etwas abfallen und liefen mit schönen 7 Knoten Richtung Norden. Kurz vor Assens beschlossen wir dann weiter bis Middelfahrt zu fahren.

Der Yachthafen von Middelfahrt ist sehr schön und geschützt gelegen, und als wir gegen 19 Uhr eingelaufen sind, kamen uns einige 29er entgegen, die vor dem Hafen trainiert hatten.

 

Mittwoch Middelfart - Kerteminde

 

Adrian brauchte eine Mütze, Susanne einen Internetanschluss und der Rest Postkarten. Deshalb beschlossen wir auf dem weiteren Weg im kleinen Stadthafen von Middelfart kurz festzumachen, um eine Runde durch die Stadt zu drehen.

Wieder auf dem Wasser sorgten wenig Wind und Strom von vorne für eine zähe Ausfahrt an Fredericia vorbei. Bei drehenden Winden setzen wir den Blister, bis der Wind komplett einschlief. Mittlerweile war es schon früher Abend geworden und wir waren immer noch nicht sehr weit gekommen. Das war ein Problem, denn am nächsten Abend wollten wir bereits in Bagenkop sein, um am Freitag zeitig in Heiligenhafen einlaufen zu können. Also beschlossen wir, anstatt die Nacht durchzufahren, auf Kerteminde zuzusteuern, um dort eine kleine Schlafpause einzulegen. Bei fast keinem Wind von vorne motorten wir den ganzen Abend um die NO-Ecke von Fünen herum. Alle 30 Minuten wurde der Steuermann gewechselt und die ruhige Fahrt bot eine günstige Gelegenheit zum kochen und abendessen. Um kurz nach 24 Uhr liefen wir bei Dunkelheit in Kerteminde ein und legten uns zwischen die Regattayachten, die sich auf die Fünen-Rund-Regatta vorbereiteten.

 

Donnerstag Kerteminde - Bagenkop

 

Nach nur vier Stunden Schlaf ging es um kurz nach 4 Uhr im Morgengrauen wieder los. Erst unter Motor, dann unter Segel, Blister und wieder Motor steuerten wir auf unser Loch in der Großen Beltbrücke zu. Der größte Teil der Crew hat bis kurz vor der Brückendurchfahrt geschlafen. 100 Meter vor der Brücke kam plötzlich wieder etwas Wind auf, sodass wir sofort den Motor ausmachten und den Blister auspackten. Von da an wurden wir für das viele Kreuzen und frühe Aufstehen belohnt. Bei etwas auffrischenden 3-4 Windstärken und purem Sonnenschein ging es mit über 7 Knoten Fahrt unter Blister und Spi bzw. mit Groß und Spi und etlichen Halsen an Langeland vorbei. Später lies der Wind etwas nach und wir mussten am Spi zupfen und ziehen wie am Dutzendteich, damit er sich ein bisschen mit Wind füllte. Bagenkop war aber nicht mehr weit, deshalb hatten wir es auch nicht besonders eilig. Stattdessen ließen wir uns gemütlich durch die sonnige Ostsee treiben, bis wir schließlich an der Südecke von Langeland den Motor anschmissen. An diesem Abend saßen wir noch lange an Deck und genossen die Abendsonne.

 

Freitag Bagenkop - Heiligenhafen

 

Bei schwachem Wind aus Ost ging es mit den größten Segeln langsam Richtung Heimat. Nach einem kleinen Winddreher haben wir zum letzten Mal den Blister ausgepackt, bevor der Wind komplett eingeschlafen ist. Wir begannen alle Segel der letzten Woche auf dem sonnigen Deck sauber zusammenzulegen und motorten währenddessen weiter. Die Küstenwache, die in einiger Entfernung stand, bemerkte vor uns, dass wir den Motorkegel vergessen hatten. Als das große Schiff langsam auf uns zudrehte, haben wir deshalb noch schnell das Groß geborgen. Trotzdem kam die Küstenwache mit ihrem Schlauchboot vorbei und warf einen Blick in unsere Papiere. Nach dem entspannten, humorigen Besuch der beiden Beamten, starteten die Aufräumarbeiten an Bord und schon während des Tankens machten sich Richard und Adrian mit der leeren Gasflasche und den Pfandflaschen auf den Weg zum Supermarkt. Putzen, wischen, saugen – der Staubsauger war Backbord ganz hinten unter der Koje gut versteckt – Taschen schleppen … und dann waren wir auch schon fertig.

Ein Auto musste bereits am Freitag gegen 18 Uhr aufbrechen, da Susanne am nächsten Tag schon wieder studieren musste. Vorbei am berühmten Panzermuseum ging es auf der Autobahn nach Süden. Der Rest hat sich noch einen gemütlichen Abend in Heiligenhafen gemacht und am nächsten Vormittag das Boot an den zweiten Jugendtörn übergeben.

 

Eigentlich als entspannter Erholungstörn geplant, wurde oft bis spät am Abend ausdauernd gesegelt. Und das bei wechselhaftem Wind, mit fast allen Segeln, auf allen Kursen. Trotzdem verlief alles stressfrei und relaxt, was nur dank der kompetenten und ausdauernden Crew möglich war. Vielen Dank an alle für diese schöne Woche.