Jugentörn Crew 2 - 2010

Werner Geißler - Magnus Gschoßmann - Jannik Zinkl - Günther Probst - Thomas Baum - Alexander Leichs

 

Crew: Thomas Baum (Skipper), Werner Geißler (Co-Skipper), Alexander Leichs, Günther Probst, Jannik Zinkl und Magnus Gschoßmann

 

Route: Heiligenhafen - Bagenkop - Flensburg - Sønderborg - Eckernförde - Laboe - Heiligenhafen

 

Seemeilen insgesamt: 211

 

 

 

 

Samstag, 29. Mai 2010

Um 2 Uhr in der Nacht begann der Spaß. Es konnte schon keiner mehr erwarten. Alex und Jannik waren sogar so ungeduldig, dass sie keiner mehr bremsen konnte und machten sich daher schon am Vortag auf den Weg an die Ostsee. Acht Stunden dauert die Fahrt von Nürnberg nach Heiligenhafen und jeder freute sich trotz des langen Weges auf das große Abendteuer Jugendtörn. Um kurz vor 10 Uhr kamen wir alle am Steg 12 an, wo die Lone Star den Liegeplatz Nr. 55 belegt. Thomas und unser Jugendleiter Günther Schlegel vom Vortörn waren bereits mit der Bootsübergabe beschäftigt, während es die anderen gar nicht mehr erwarten konnten bei schönem Wetter und rund 4 Bft. loszusegeln. Aber zuerst mussten die Schapps eingeräumt werden und der Großteil der Einkäufe musste auch erledigt werden. In dieser Zeit machte sich Thomas auf den Weg nach Fehmarn, um Angelegenheiten, die die Lone Star betrafen, zu regeln. Diese Zeit nutzte der Rest der Crew, um einen Spaziergang nach Heiligenhafen einzulegen, um dort neben Fischbrötchen und Hot-Dog auch Eis zu essen. Nachdem Thomas zurück war, kaufte Werner mit der Hilfe von Jannik und Günther für 154 Euro bei Familia in Heiligenhafen ein. Danach musste dieser Großeinkauf an Bord verstaut werden und dafür wurde auch jeder Zentimeter an Platz benötigt und genutzt, selbst wenn es in der Bilge war. Als wir schließlich am Nachmittag mit all unseren Aufgaben fertig waren, packte uns der Drang zum Segeln, vor allem, weil toller Wind und blauer Himmel war. Leider mussten wir aber feststellen, dass es leider schon zu spät war, um wenigstens nach Burgstaaken auf Fehmarn zu segeln. Also entschieden wir uns für einem gemütlichen Abend in Heiligenhafen. Hierzu bauten wir einen kleinen Fernseher auf, um den Eurovision Songcontest aus Oslo verfolgen und der Vertreterin Deutschland, Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“, die Daumen drücken zu können. Als dann endlich heißersehnt Lena zu sehen war, zog der Himmel zu und wir hatten plötzlich keinen Empfang mehr. Wie wir am nächsten Tag dann erfahren haben und auch in vielen Frühstückssendungen gesehen haben, hat Lena den Eurovision Songcontest gewonnen, und wir alle waren seit diesem Zeitpunkt von ihrem Song gefesselt. Und mit so viel Aktion ging dieser erste und sehr lange Tag auch wieder zu Ende.

 

Sonntag, 30. Mai 2010

Am Sonntagmorgen war es dann endlich so weit. Alle freuten sich schon auf den ersten Tag, an dem wir in See stechen. In aller Früh planten Jannik und Günther zusammen mit unserem Skipper die Route nach Ærøskøbing durch das Fahrwasser bei Marstal und programmierten dann die komplette Fahrt mit allen nötigen Wegepunkten durch das Fahrwasser in das GPS-System an Bord, dass eigentlich noch nie zeigen durfte, welche Funktionen es beherrscht. Dank Jannik und Günther war es nun ein Kinderspiel die Yacht nach Ærø zu navigieren. Nach einem Frühstück mit Frühstücksfernsehen legten wir um kurz vor 10 Uhr unter Motor ab. Das Wetter war ganz in Ordnung und wir hatten Ostwind mit der Stärke 4. Nach dem Fahrwasser in Heiligenhafen setzten wir dann das Großsegel und die Fock 1. Auf der Fahr wurde das Wetter immer unangenehmer und wir wurden auch nicht von Regenschauern verschont. Nachdem uns das Wetter bis zum Nachmittag etwas zusetzte, entschieden wir uns, nicht nach Ærøskøbing, sondern nur nach Marstal zu segeln. Noch etwas später entschieden wir uns, schließlich in einen noch näher gelegenen Hafen zu fahren nach Bagenkop; uns wurde es auch langsam immer kälter und wir bekamen immer mehr Hunger. Um kurz vor 17 Uhr legten wir dann in Bagenkop unter Motor an. Jeder hatte seine Aufgabe, die er beim Anlegen erfüllen musste und dies dann auch tat, nur Magnus saß noch unter Deck und spielte. Am Land angekommen, haben wir uns alle eine heiße Dusche verdient, auch wenn unsere Bordkasse für jede Minute unter der Dusche mit 3 Dänischen Kronen hinhalten musste. Nachdem unser „Multimedia-Team“ wieder unsere Fernsehantenne am Mast hochgezogen und installiert hatte, hatten wir sogar deutschen Fernsehempfang und unser Überleben war von diesem Zeitpunkt an wieder gesichert. Währenddessen bereitete Thomas eine hervorragende Kartoffelsuppe zu, auf die wir schon den ganzen Tag sehnsüchtig gewartet hatten.

Tagesrésumée: ein feuchtfröhlicher Segeltag

 

Montag, 31. Mai 2010

Nach dem üblichen Morgenritual Fernsehen beim Frühstücken unternahmen wir einen kleinen Landgang durch den Hafen und fanden dort auch einen Anglerladen, wo wir Souvenirs kaufen konnten. Wir machten uns zuvor Hoffnung, im Ort Zeitung kaufen zu können, leider haben wir nirgends eine kaufen können. Zurück am Schiff mussten wir erst einmal die Fock 1 durch die kleinere Fock 3 ersetzen, da für diesen Tag Wind von 5-6 Bft. aus NO vorhergesagt war. Um kurz nach 10 Uhr verließen wir den Hafen und motorten etwa 2,5 Seemeilen in Richtung Flensburger Förde. Auf See war es sehr bewölkt und wir hatten 5 Windstärken und rund 1 Meter Welle. Am frühen Nachmittag strichen wir unser Vorsegel. Kurz bevor wird das taten und noch lange danach begleitenden uns eine Stunde lang immer wieder Gruppen von Schweinswalen. Die Uhrzeit der Sichtung und Position wurden im Logbuch verewigt und wurden später an die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger gemeldet. Gegen 16 Uhr segelten wir in die Flensburger Förde. Da wir schließlich zum Segeln da waren, entschieden wir uns auch durch das Fahrwasser in der Förde zu segeln und sogar gegen den Wind zu kreuzen. Daher segelten wir etwa 3 Stunden in der Flensburger Förde. Erst kurz vor dem Hafen borgen wir die Segel und motorten in die Flensburger Stadt. Mitten im Zentrum von Flensburg machten wir gegen halb acht in einer Box fest. Jannik und Günther machten sich zuerst auf den Weg zum Hafenmeister, um den Liegeplatz zu bezahlen und Duschmarken zu kaufen. Leider kamen wir zu spät und der Hafenmeister vom Flensburger Stadthafen hatte schon Feierabend. Gott sei Dank konnten wir in einem danebengelegenen Café „East-Side“ Duschmarken kaufen und gegen Pfand auch Karte und Schlüssel für den Tag bekommen. Zurück am Steg verlegten wir unser Kabel für Landstrom. Am Steg fanden wir jedoch nur kostenpflichtige Steckdosen. Raffiniert wie wir waren fanden wir an dem Steg auch Steckdosen, die noch mit Geld aufgeladen waren, an denen jedoch nichts angeschlossen war. Somit konnten wir uns das Geld für Strom sparen. Thomas fing gleich an, Essen zu kochen, Jannik und Günther machten einen Spaziergang in die Fußgängerzone von Flensburg, die gerade einmal 5 Minuten vom Steg entfernt war, und der Rest der Crew erholte sich an Bord von dem langen Tag auf See.

 

Dienstag, 1. Juni 2010

Für diesen Tag nahem wir uns vor, einen Bummel durch die Stadt zu machen. Das Wetter war hervorragend. Jedoch packte uns in der Früh der Trieb zu reparieren. Das bedeutete, dass wir bis Mittag am Schiff arbeiteten und ein Teil von uns die Schaltpläne durchforsteten um zu erfahren, wo das Kabel der nicht genutzten Antenne hinführt, um gegebenenfalls die Möglichkeit zu haben, dort unseren Fernseher anzuschließen. Gefunden haben wir aber in dieser Angelegenheit nicht viel. Um 12 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in die Stadt. Zuvor legten wir jedoch einen Zwischenstopp in einem Yachtgeschäft ein, das in der entgegengesetzten Richtung der Stadt lag, um dort Materialien für die Reparaturen zu kaufen. Für die Crew des Törns bot sich da auch die Gelegenheit, Zubehör für das eigene Boot oder Ähnliches zu kaufen. Dann brachen wir zum Spaziergang durch die Fußgängerzone auf. In der Fußgängerzone spendierte uns unser Skipper Thomas großzügiger Weise eine große Portion Eis für jeden. Sogar ein Einkaufszentrum fanden wir hier. Dort gab es neben Geschäften für Kleidung und Diskountern auch einen Elektronikmarkt, wo wir uns ein längeres Kabel für den Fernseher kauften, damit wir die Antenne höher ziehen konnten und somit einen besseren Empfang haben zu können. Um 14.30 Uhr kehrten wir schließlich zurück, um die Arbeiten an Bord zu beenden und alles für das Ablegen vorzubereiten. Da es schon so spät war, wir aber trotzdem an dem Tag nicht aufs Segeln verzichten wollten, entschieden wir uns nur bis Sønderborg zu segeln, das vor der Flensburger Förde in Dänemark liegt. Um 15.20 Uhr hieß es dann: „Leinen los für die Lone Star“. Kurz vor dem Hafen von Glückburg setzten wir wieder die Segel und segelten durch die Flensburger Förde an der Ansteuerungstonne der Flensburger Förde vorbei, direkt nach Sønderborg in Dänemark. 2 Seemeilen vor Sønderborg haben wir bereits die Segeln geborgen und das Spifall mit der Antenne schon einmal hochgezogen, sodass wir im Hafen sofort Fernseher empfangen können. Schließlich kamen wir im Stadthafen von Sønderborg an. Dieser Hafen war auch an diesem Tag, wie so oft zu dieser Zeit, schon voll belegt und wir suchten nach einer Yacht, an der wir im Päckchen anlegen könnten. Gott sei Dank haben wir auch einen freundlichen Skipper gefunden, der uns mit offenen Armen aufnahm. Nachdem wir um 22 Uhr festgemacht hatten, entspannten wir uns auf dem Deck und schauten später auch noch deutsches Fernsehen.

 

Mittwoch, 2. Juni 2010

Am Mittwoch standen wir etwas früher auf als sonst, da uns die Crew, deren Schiff zwischen uns und dem Festmacher war, am Vorabend mitgeteilt hatte, dass sie bereits um 9 Uhr ablegen wollten. Daher machten wir uns schon in aller Früh fertig, gingen duschen und frühstückten. Doch unsere Nachbarn hatten es doch nicht so eilig wie erwartet. Um 10 Uhr legten wir gleichzeitig mit unseren Nachbarn ab. Direkt vor dem Hafen setzten wir wieder Großsegel und die Fock 1 und fuhren mit raumem Wind in Richtung Eckernförder Bucht. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt Nord-Ost-Wind mit 2-3 Windstärken. Später, als der Wind abflaute, entschieden wir uns, unseren wunderschönen YCN-Blister zu setzten, umso mehr Fahrt zu bekommen, als mit Groß und Fock. Es gelang uns auch und wir überholten sogar mit unserem Blister dutzend Boote der Marineschule, die versuchten, mit Spinnaker zu segeln. Am Nachmittag nahm der Wind, wie es uns unser Wetterfunk DP07 prophezeit hatte, auf 4 Bft. zu und wir mussten augenblicklich den Blister bergen, da er nur für schwachen Wind geeignet ist, und stattdessen mit der Fock 1 weitersegeln. Während der Fahrt hatten wir schon schwer darüber nachdenken müssen, in welchen der vielen Häfen in Eckernförde wir anlegen wollen. In Eckernförde gibt es ein halbes Dutzend Häfen. Einer schied bereits von vornherein aus, weil in dem Hafen zu wenig Tiefgang herrschte für unsere Lone Star. Da uns in einem digitalen Hafenführer die Marina des Segelclubs Eckernförde (SCE) aufgrund des modernen Hafens und einem kostenlosen Fahrradservice empfohlen wurde, entschieden wir uns sofort für diesen Hafen, mit der Hoffnung, sofort mit dem Fahrrad in die Stadt von Eckernförde fahren zu können. Und so fuhren wir um kurz nach 19 Uhr in den Yachthafen ein. Kaum hatten wir angelegt, liefen Jannik und Günther zum Clubhaus des SCE, um dort beim Hafenmeister die Liegegebühr zu bezahlen, Duschmarken zu kaufen und um nach den Fahrrädern zu fragen, damit wir gleich in die Stadt fahren konnten. Leider wurden wir auch hier enttäuscht, da er hier auch schon um diese Zeit nicht mehr in seinem Büro war. Auch in der Gastronomie, die sich in dem Haus befand, könnte man uns leider nicht weiterhelfen. So mussten wir uns zufrieden geben und haben durch Zufall, dort wo die Fahrräder standen, Gepäckwägen gesehen, die nicht abgesperrt waren, und wir nahmen dieses Gefährt mit zum Liegeplatz, um den anderen einen Kompromiss für die Fahrräder anzubieten. Die anderen Jugendlichen fanden das prima und Jannik kutschierte alle anderen auf diesem großen Wagen durch die Hafenanlage. Schließlich entschlossen wir uns, mit diesem Wagen das Hafengelände zu verlassen und in die Stadt zu fahren, ein wachsamer Liegeplatzinhaber machte uns jedoch darauf aufmerksam, dass dieser Wagen ausschließlich für Gepäck sei. Daher fuhren wir alle auf dem Wagen wieder zum Steg zurück und entschlossen uns, ihn später zurückzubringen. Nachdem ein weiterer wachsamer Liegeplatzinhaber unsere Skipper aufklärte, welchen Zweck dieser Wagen hat, entschieden wir uns, zu einem abendlichen Strandspaziergang aufzubrechen und davor den Wagen zurückzubringen. (Aber diese Gelegenheit nutzen wir noch, unseren Skippern das Erlebnis „Fahren mit dem Gepäckwagen“ zu zeigen, und wir kutschierten sie damit zum Clubhaus des SCE.)

 

Donnerstag, 3. Juni 2010

Nach dem ausgiebigen Frühstück am Donnerstagmorgen genossen wir noch den Anblick der auf dem Nachbarboot herumtollenden Katze, wahrscheinlich eine Art See-Katze, die auch den Seegang erträgt und viel Spaß auf dem Boot hatte. Dennoch wollten wir unbedingt den Service nutzen, mit den Fahrrädern der Marina einen kleinen Ausflug in die Stadt von Eckernförde zu machen und dies auch gleich mit dem Praktischen zu verbinden, da wir ohnehin noch Müsli, ein paar Säfte und ein wenig Käse besorgen mussten. Anfangs fuhren wir durch die Fußgängerzone, wo wir mit Erstaunen feststellen mussten, dass es hier anscheinend nur einen Drogeriemarkt gibt. Dort konnten wir wenigstens Müsli besorgen. Nach einer kleinen Panne fuhren wir dann wieder zurück in Richtung Marina. Auf dem Weg dorthin entdeckte Werner in einer Straße, die am inneren Stadthafen entlangführte, ein riesiges Bio-Shopping-Zentrum, wo wir glücklicherweise noch den Rest unserer Besorgungen erledigen konnten. Etwas verspätet, um 11.30 Uhr legten wir schließlich unter Motor ab und nahmen Fahrt in Richtung Kieler Förde. Tagesziel war die moderne „Baltic Bay“-Marina in Laboe. Diese Marina ist leicht und schnell zu erreichen vor der Kieler Förde. Da diese Strecke zu kurz gewesen wäre, um den ganzen Tag auf dem Wasser verbringen zu können, entschieden wir uns, die Stadt Kiel vom Wasser aus anzuschauen. Als wir aus dem Fahrwasser der Eckernförder Förde heraussegelten, mussten wir nicht allzu lange warten, um die Kieler Förde von der Weite sehen zu können, denn die Frachter die im 10-Minuten-Takt in die Förde hinein- und herausfuhren waren nicht zu übersehen. Auch das Ehrenmal der Marine in Laboe war schon aus der Ferne zu erkennen. Bis wir uns kurz vor 16 im Fahrwasser von Kiel befanden, ließ uns der Wind im Stich und die Sonne, die zudem vom Wasser reflektiert wurde, brannte auf unsere Haut. Für die Fahrt im Fahrwasser borgten wir die Fock und fuhren dann unter Motor und mit dem Großsegel als Sonnensegel Richtung Kiel. Da das Frachteraufkommen im Fahrwasser so stark war entschieden wir uns zudem, neben dem Fahrwasser zu fahren, um für die Frachter keine Behinderung darzustellen. Kiel ist eine riesige Stadt! Zumindest kommt es einem vom Wasser aus so vor. Was für uns im Binnenland der Flughafen ist, ist in Kiel der so genannte Seehafen. Er ist vergleichbar mit unserem Flughafen, nur dass hier die Flugzeuge Schiffe sind und im Wasser liegen und sich auch im Wasser und nicht in der Luft fortbewegen. Das ganze Fahrwasser ist voller Schiffen und Fähren und es ist Vorsicht geboten. Im Schwedenkai, der im Inneren erreichbaren Stelle Kiels, mussten wir ein „Kissen-über-Bord“-Manöver ausführen, da ein Besatzungsmitglied ein Kissen über Bord gehen ließ. Durch GPS wurden wir dann allmählich zur Marina in Laboe navigiert, wo wir um 20 Uhr anlegten. Am Abend unternahmen wir dann noch einen kurzen Landgang entlang am Ostseebadestrand bis zum U-Boot, das am Tag eine Ausstellung bietet, und ziemlich nahe dem Ehrenmal der Marine liegt.

 

Freitag, 4. Juni 2010

An diesem Tag hatten wir fast alle einen etwas längeren Schlaf in Anspruch genommen. Obwohl wir einen langen Weg vor uns hatten legten wir diesmal wieder erst gegen 11.30 Uhr ab. Diesmal führte nicht einer der Skipper das Ablegemanöver durch, sondern Günther durfte ehrenwerter Weise die Lone Star aus ihrer Box und hinaus auf die Ostsee manövrieren. Alles lief reibungslos und so konnten wir, nachdem wir die Tonne Nr. 4 vor der Kieler Bucht passiert hatten und nahe der Tonne K01 waren, Großsegel und Fock setzten und in Richtung Heiligenhafen segeln, hindurch durch das Übungsgebiet der Marine, die jedoch an diesem Tag dort keine Übungsmanöver durchführte. Jedoch reichte der Wind nicht aus, um segeln zu können. Thomas las uns aus dem Buch „Was Einstein seinem Friseur erzählte“ und so genossen wir das schöne Wetter. Abgelenkt von dem schönen Ambiente an Bord merkten wir nicht, dass wir leicht vom Kurs abkamen und wir nur noch Fahrt von 0.2 Kn über Grund hatten. Kurzum entschlossen wir uns die Segel zu streichen und unter Motor direkten Kurs auf die Untiefentonne OST vor Heiligenhafen zu nehmen, ansonsten wären wir schätzungsweise am nächsten Morgen immer noch nicht in Heiligenhafen angekommen. Kurz nach 18 Uhr erreichten wir am Abend diese Untiefentonne und fuhren durch das Fahrwasser Heiligenhafen zum Liegeplatz der Lone Star. Thomas gab auch hier Günther die Aufgabe, die Lone Star in die Box zu manövrieren. Auf dem Weg dorthin wurde Günther immer nervöser, da er mit so einem großen Schiff noch nie ein Anlegemanöver ausführte. Am ursprünglichen Liegeplatz der Lone Star angekommen, war dieser von einer anderen fremden Yacht belegt, die fälschlicherweise eine Jamaica-Flagge als Bundesflagge führte. So mussten wir auf einen Liegeplatz ausweichen, der sich in der Nähe befand, Liegeplatz Nr. 65. Leider war dieser als belegt markiert, trotzdem mussten wir dort vorübergehend festmachen um dafür sorgen zu können, dass der Liegeplatz unserer Vereinsyacht wieder zur Verfügung steht. Das ging dank der verständnisvollen Bootseigner dort schneller als gedacht. Da wir eh ablegen mussten, nutzen wir diese Gelegenheit, beim Bunkerservice den Dieseltank auffüllen zu lassen, und Günther konnte somit nochmal alle Arten von An- und Ablegen längsseits und in der Box üben. Am Liegeplatz 55, dem Liegeplatz der Lone Star, angekommen, waren alle ein wenig fertig, aber auf der anderen Seite wollten am liebsten alle gleich noch eine Woche segeln. Die Schule und der Kettentörn, der in der darauffolgenden Woche begann, machten aber unsere Wunschvorstellungen zu Nichte. Als Ausklang des schönen Törns nahmen wir im Restaurant „ANNO 1800“ unser letztes großes Essen an der Ostsee ein, dessen Rechnung dankenswerterweise von der Familie Leichs beglichen wurde, die beim Abschlussmahl des Jugendtörns ebenfalls dabei waren. In diesem Zusammenhang herzlichen Dank im Namen der gesamten Crew! Auch sorgen sie dafür, dass etwa 100 Euro in der Bordkasse zurückblieben, die wir für andere Ausgaben für Schiff und Besatzung nutzen konnten. Mit vollem Magen ging es nach diesem Tag auch ein letztes Mal in die Kojen der Lone Star.

 

Samstag, 5. Juni 2010

Nach der letzten Nacht begann auch der letzte Tag an der Ostsee, bevor die Rückfahrt nach Nürnberg angetreten wurde. Zum Frühstücken kamen wir diesen Morgen nicht wirklich. Da wir am Abend davor keine Lust hatten, schon zu packen, mussten wir am Morgen packen. Dank weiterer Reparaturen am Schiff musste noch vieles erledigt werden, auch der Mann, der die Reparaturen am Motor der Lone Star immer durchführt, war da und kontrollierte den Motor und reparierte ihn auch. Ein neues Spinnakerfall musste her und vieles mehr… Da wir ab einem bestimmten Zeitpunkt weder helfen konnten noch das Schiff putzen konnten, entschlossen sich ein paar zum Frühstück in die Stadt von Heiligenhafen aufzubrechen. Zudem benötigten 3 der Crewmitglieder noch Bücher für den Nachweis der Seemeilen, die sie auf der Ostsee bereits ersegelten. Die Seemeilen werden wichtig, wenn der Sportbootführerschein Küste (SKS) erworben werden möchte. Also machten sich Jannik, Magnus und Günther mit dem restlichen Geld der Bordkasse auf dem Weg zum nächsten Bäcker, um dort zu frühstücken. Danach machten wir uns noch auf den Weg zu einem gut sortierten Yachtausrüster, um dort die heißumworbenen Seglerbücher für den Seemeilennachweis zu kaufen. Leider waren diese alle ausverkauft und wir gingen enttäuscht zurück zum Steg. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir wieder die leckere Hotdog-Bude, wo noch kräftig Hotdogs für die ganze Besatzung gekauft wurde. Am Steg angekommen mussten wir uns leider schon von der Familie Leichs und Jannik verabschieden, da sie bereits zurück nach Nürnberg fahren wollten. Danach bestand noch die Aufgabe, das Spifall am Masttop einzufädeln. Dazu nötig waren ein Bootsmannsstuhl und ein geeignetes schwindelfreies Crewmitglied, um ins Masttop zu steigen. Für diese Aufgabe schieden wegen der frühen Abreise von Alexander und Jannik diese aus und es verblieben nur noch Magnus und Günther für diese Aufgabe. Natürlich hätten wir diesen Platz auch verlosen können, aber Günther, der bereits in den Vorjahren in den Genuss des Bootsmannsstuhl kam, überlies Magnus die Chance, den Mast zu erklimmen. Immerhin 21 Meter über dem Wasser balancierte Magnus mit dem neuen Fall in der Hand den Mast hinauf und fädelte schließlich das Fall in die dafür vorgesehene Rolle, als er dort oben ankam. Kurz darauf putzte Günther noch den ganzen Holzboden unter Deck mit einem feuchten Lappen und das Schiff war so weit fix und fertig für die nächste Crew. Das heißt, wir machten uns nun gegen 14 Uhr auf den Heimweg. Als wir losfuhren, erklang im Autoradio „Satellite“ von Lena – der Törn begann mit Lenas Song und wurde mit diesem Song auch abgeschlossen…