Unsere Startnummer

Besatzung

Lutz Böhmer (Skipper),

Sabine Böhmer (Coskipper),

Andreas Kantor,

Heinrich Roddewig,

Freia Schlinkert,

Peter Schlinkert,

Thomas Baum (Autor).

 

 

 

 

Der sportliche Geist, der von einer Veranstaltung wie der Hessenregatta ausgeht hat uns dazu bewogen, erneut und voller Elan daran teilzunehmen. Lutz hat eine neue, hochmotivierte Crew zusammengestellt, die an drei Vorbereitungstagen mit allen Regeln der Kunst auf den Kampf vorbereitet wird. Die Crew ist bereits am Donnerstag vor der Regatta zusammengekommen.

 

 

 

unten Segel / oben Dampfeisenbahn
der Peter

Freitag: aktiver Trainingstag H'hafen - Burgtiefe

 

Wir haben 3 bis 5 Windstärken und können das aktive Segeln ausprobieren: Mit dem Blister fahren wir zur Brücke, im Fahrwasser müssen wir den Kurs mit dem Motor stabil halten (KEIN Training für die Regatta!) und in Großenbrode suchen wir das letzte Segel: die Genua 1. In einer Vorahnung auf die Windverhältnisse in der nächsten Woche entscheidet Lutz, dass wir noch einmal zurückfahren und das Segel beim Oleu holen.

Auf dem Rückweg ist der Kurs optimal für unseren Spinnaker und wir überholen im Fahrwasser alle anderen Segler mit vollem Speed! Rein in den Hafen, anlegen, Segel holen, Pipi machen und wieder los! Am Abend wird es langsam frisch sodass Kartoffel schälen mit auf dem Trainingsprogramm steht. Die heiße Suppe und das Flens belebt die Geister wieder.

 

Samstag: Passiver Trainingstag Burgtiefe

Brötchenjoggen und Dampfdusche in den engen Duschräumen. Heute wird das Schiff klar gemacht für den Wettkampf: Unterliekstrecker reparieren, Lenzpumpe klar machen, NAVTEX-Gerät mit GPS verbinden, Postkarten schreiben und U-Boot besichtigen.

Um 18:00h begrüßt die Regattaleitung die Teilnehmer und erklärt den Ablauf des morgigen Tages. Es hängen Seekarten mit dem Startpunkt und der Ziellinie aus. Der Funkverkehr wird auf Kanal 69 abgewickelt und um 8:00h morgens soll jeweils eine Durchsage gemacht werden.

 

 

 

Mentales Training
das U - Boot
Andreas beim Nachtisch

Sonntag: 1. Regattatag Burgtiefe - Gedser

 

Geplante Strecke: Start 9:00h in Burg am Startschiff Mittleres Hochhaus Peilung 360°, Bahnmarke 1: Tonne Staberhuk Peilung 5° 2 Bootslängen Abstand, Bahnmarke 2: Tonne K09 Peilung 335° 2 BL, Ziel: Südtonne Schönheides Pulle Peilung 350° 2 BL, Ende 19:00h.

Um 7:15h sind wir bereit zum Auslaufen. Die See ist platt wie ein Bügelbrett. Um 8:06 Durchsage auf Kanal 69: Startverschiebung zur Staberhuktonne Ost auf einen neuen Startzeitpunkt. Wir laufen aus, denn wir müssen so oder so heute nach Gedser. Motoren, Fock falten und Groß zuppeln. Langeweile bei Wegpunktnavigation und PC-Kartenplotten.

Jede Funkdurchsage soll von den Teilnehmern quittiert werden. Also wird nacheinander und durcheinander ein chaotischer Schwall von Quittierungen durch den Äther gejagt. Wir: „13 hat verstanden!“ Nicht jeder bekommt jeden Funkspruch mit...

Am Startschiff wird die Gruppe immer größer bei Windstärke 0 in Böen 1. Um 10:00h wird der Start zur Tonne K09 verschoben. Unsere Startzeit in Gruppe B ist letztendlich um 13:20h und wir queren bei Windstärke 1 aus Ost die Startlinie erst um 13:26h, weil wir von einem anderen Teilnehmer zu einem Ausweichmanöver gezwungen werden.

Mit der Genua 1 kreuzen wir bei auffrischendem 4er Wind mit einem schlechten Wendewinkel von ca. 120°. Ich protokolliere die Kurse genau auf der Seekarte und die Strategie tut ihr bestes. Als auf Kanal 69 die ersten Zieldurchläufe bekannt gegeben werden, wird der Skipper etwas nervös. Um 17:03 peilt er die Zieltonne auf 350° mit einem Abstand von 2 Bootslängen und ich gebe die gemessene Zeit an das Regattaschiff weiter. Entspannung und es darf wieder gelacht werden!

In Gedser findet um 19:30 das Skippertreffen statt, wo heftig diskutiert wird, wie weit denn 2 Bootslängen sind?!

Offensichtlich haben wir Schiffe mit 100m Länge unter uns!?

 

Ergebnis: Platz 44 von 55 Startern

 

Wind ?
Wind ?
na ja ...

Montag: 2. Regattatag Gedser - Klintholm

Geplante Strecke: Start 9:00h in Gedser am roten Turm, Bahnmarke 1: Tonne Trindelen an Backbord lassen, Zielschiff bei WP353 Peilung 300° 2 BL, Ende 19:00h.

Die Startlinie liegt heute zwischen dem roten „Taubenschlag“ und dem Startschiff Sea Angel neben dem Fahrwasser nach Gedser. Der erste lange Schlag zur ersten Tonne wird auf Steuerbordbug gefahren und wir pirschen uns auf diesem Bug an das Startschiff heran. Mit offenen Segeln warten wir auf den Start machen sekundengenauen Countdown und gehen trotzdem 30s zu spät über die Startlinie.

Mit einem guten Anleger segeln wir hart am Wind zur Tonne Trindelen bei etwa 3 Bft. Leider dreht der Wind kurz vor der Tonne sodass wir abfallen müssen und somit Raum verlieren. Als die Tonne erreicht ist, schläft der Wind ein und wir kreuzen dümpelnd in der Gegen herum als ob wir die Tonne umkreisen wollten. Das Ziel in Richtung Klintholm auf 27° ist direkt in LUV und wir kreuzen in der nächsten Stunde bei 0 bis 1 Windstärken. Am Anfang konnten wir gut mit dem Feld mithalten aber nun sind uns schon alle davon gefahren! Eine Bahnverkürzung um ca. 10sm lässt uns hoffen, dass wir die Ziellinie noch erreichen. Spaghetti kochen, Kaffee trinken und herumdösen ist. Etwa 1h vor dem Zeitlimit kommt für kurze Zeit etwas Wind auf, bald darauf zeigen alle Anzeigen wieder die 0 und wir brechen ab. Nach zweieinhalb Stunden motoren laufen wir schließlich in Klintholm ein.

Um 22:00h ist das Skippertreffen, bei dem die morgige längste Etappe erläutert wird. Da wieder schwacher Wind angesagt ist, wird beantragt, das Zeitlimit von 19:00h auf 20:00h zu verlängern.

 

Ergebnis: DNF - 56 Punkte

 

 

wie / wann kommen wir blos um die Tonne
das zieht sich
... jetzt überholen uns schon die Schweinswale

Dienstag: 3. Regattatag Klintholm - Warnemünde

Geplante Strecke: Start 9:00h in Klintholm, Bahnmarke 1: Tonne Trindelen Peilung 300°, Bahnmarke 2: Tonne W69 Peilung 120°, Bahnmarke 3: Tonne E69, Bahnmarke 4: Tonne 1 grün Fahrwasser Rostock Peilung 80°, Ziel: Molenköpfe Warnemünde, Ende 20:00h.

Um 8:00h ist noch völlige Windstille und um 8:30h wird die Startverschiebung von 9:00h auf 10:10h und auf eine 5,5sm südlichere Position bekannt gegeben. Eineinhalb Minuten nach dem Startzeitpunkt queren wir die Startlinie und segeln (schon wieder) am Wind auf Backbordbug nach Süden. Der Wind ist etwas rechtsdrehend und wir nehmen den Blister zu Hilfe um mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 6,8kn zu segeln. Dann lässt aber der Wind um 13:30h völlig nach und kommt eine Stunde später mit Böen von 1kn von Süd auf. Total Speed Concept: So schnell wie möglich, egal wohin! Um 17:45h brechen wir ab, weil wir das geplante Ziel mit Sicherheit nicht erreichen werden.

2 Minuten später hören wir eine Zieldurchfahrtsmeldung, die bei Tonne W69 stattfindet. Also haben wir nicht mitbekommen, dass das Ziel vorverlegt wurde. Lutz vereinbart mit der Wettfahrtleitung, dass wir weiterfahren dürfen. Wir haben die Hoffnung, dass wir die Tonne W69 noch vor 20:20h erreichen. Die Zielphase wird wirklich spannend und wir peilen die Tonne um 20:19:37h!

Die Einfahrt nach Warnemünde ist durch die vielen Fahrwassertonnen sehr imposant und um 23:30 machen wir in Hohe Düne fest.

 

Ergebnis: Platz 51 von 55 Startern

 

 

 

Auslaufen im Nebel
für eine halbe Stunde

Mittwoch: Hafentag in Warnemünde

Den Hafentag in Warnemünde genießen wir bei schönstem Wetter und prüfen die Wassertemperatur am Strand. Am Abend wird ein Regattafest mit Abendessen, Musik, Ansprachen und Verlosung veranstaltet.

Aussicht vom Leuchtturm nach Hohe Düne
erstes Ostseebad
.. soooo kalt ist es

Donnerstag: 4. Regattatag Warnemünde - Grömitz

Geplante Strecke: Start 9:00h bei Tonne 13 und 15 des Rostocker Fahrwassers. Bahnmarke 1: Tonne 2 des Lübeck-Gedser-Weges Peilung 180° 2 BL. Ziel Grömitz Seebrücke Peilung 355° 2 BL, Ende 19:00h.

Wind von West mit 2 Bft und wir müssen wohl wieder gegenankreuzen. Noch in der Startphase wechseln wir das Vorsegel von Genua 3 auf Genua 1, weil er doch schwächer ist, als zunächst gedacht. Wir kommen zu nah an die Startlinie, müssen noch einmal zurück und passieren die Linie 2 Minuten verspätet.

Wir fahren zunächst auf Steuerbordbug vom Land weg. Wir machen 2 Schläge auf der Kreuz und können dann auf Backbordbug weitersegeln, weil der Wind auf Nord dreht. Einige Schiffe unserer Regatta beachten das Sperrgebiet in Heiligendamm nicht, was dort für sehr viel Aufsehen sorg. Die Vorbereitungen für den G7-Gipfel sind dort in vollem Gange. Der Wind dreht weiter, sodass wir den Blister setzen können. Bald bergen wir das Großsegel, damit der Blister schön steht. Bei diesen Verhältnissen können wir gut mithalten und liegen im Mittelfeld. Eigentlich wäre nun der Spinnaker zu setzen, wir trauen uns selbst jedoch nicht zu, dieses Manöver ohne Zeitverlust zu fahren und setzen voll auf den Blister, indem wir diesen ausbaumen.

Das Ziel wird wieder vorgezogen und wir passieren diese Linie auf einem guten Mittelfeldplatz. Danach setzen wir doch noch den Spinnaker und segeln damit Full Speed nach Grömitz. Heute hat es Spaß gemacht!

 

Ergebnis: Platz 19 von 55 Startern

 

Freitag: 5. Regattatag Grömitz - Burgtiefe

Geplante Strecke: Start 8:00h Grömitz Seebrücke. Bahnmarke: Tonne Schwarzer Grund Peilung 330° 2 BL. Ziel: Fehmarnsundtonne Peilung 280° 2BL, Siegerehrung um 18:30h.

Gleich um 7:45 wird eine Startverschiebung zur Tonne Schwarzer Grund bekannt gegeben, weil überhaupt keine Windregung zu spüren ist. Die Startzeit ist um 10:10 auch noch nicht bekannt. Die ganze Flotte ist hinausgefahren und tuckert bei diesigem Wetter Richtung Nord. Im Südosten ist eine Wolkendecke im Dunst zu sehen aber es rührt sich überhaupt nichts. Vor der Startlinie drehen alle ihre Kreise, es wird sogar geangelt. Um 10:50 wird die Wettfahrt ganz abgesagt, denn viele, die gechartert haben, müssen ihr Schiff zeitig zurückgeben.

 

Wind ?
Wind ?
Wind ? - was ist das ??

Wir motoren bei völliger Windstille nach Heiligenhafen während ein richtiger Dauerregen auf uns niederprasselt.

Bei der Siegerehrung in Burg Tiefe spielen wir eine sehr unwichtige Rolle. Trotzdem war es ein schön, bei der Regatta mitgemacht zu haben, denn wir haben unseren Platz in der Gesamtwertung vom letzten Jahr verbessern können! Mit 'trägen Fahrtenseglern' ist halt kein besseres Ergebnis zu erwarten.

 

Ergebnis: Platz 44 mit 166 Punten (letzter Platz 224 Punkte)

Einzelergebnisse, Bilder und weitere Details unter: hessenregatta.de

 

 

Die Crew
Der Wimpel

Anmerkung:

Der vom Autor mehrmals verwendete Begriff von den "trägen Fahrtenseglern"

kam mir in der Vorbereitung ein einziges mal (nach 5 oder 9 Bieren) über die Lippen

und führte im weiteren Verlauf der Regatta zu heftigen Wortgemetzeln.

Diese endeten dann aber nach einem guten 'Anlieger' meistens (immer)

in einem netten Gedankenaustausch über Sinn und Unsinn im Regattasport.

- L. Böhmer -